Immaterielles Kulturerbe

Landshuter Hochzeit, Foto: Volker Letzner
Landshuter Hochzeit, Foto: Volker Letzner

Immaterielles Kulturerbe als Attraktor im Umfeld des ‚existential tourism‘ und Inventarisierungsmöglichkeiten gemäß der UNESCO 03er Konvention am Beispiel Bayern


Die Fragestellung hat einen (kultur-) theoretischen Teil zur Bedeutung des immateriellen Kulturerbes für Destinationen, deren komparativer Vorteil in ihrer Kulturlandschaft liegt. Der zweite Teil betrifft die kultur- und tourismuspolitische Forderung, die Inventarisierung immateriellen Kulturerbes gemäß der 03er UNESCO-Konvention zu forcieren. Trotz bisheriger Nicht-Ratifizierung durch Deutschland soll gezeigt, dass und wie Pilotprojekte (u.a. in Bayern) zur Inventarisierung möglich und dringend geboten sind.


Kulturtourismus richtet sich weitgehend auf materielle Kulturgüter. Bei immateriellen Kulturgütern hingegen tritt die tradierte Lebendigkeit an die Stelle der historischen Echtheit und schwebt immer in der Gefahr, entweder musealisiert oder folklorisiert zu werden. In zunehmenden Maße sind immaterielle Kulturgüter Attraktoren im ‚existential tourism‘, der auf Selbsterfahrungsaspekte setzt und authentische (Mit-) Erfahrungen benötigt. Noch viel mehr als beim materiellen Kulturgut steht der diese Attraktoren nutzende Tourismus in der Pflicht, das sensible Gleichgewicht im lebendigen Erhalt des immateriellen Kulturerbes zu bewahren.


Die UNESCO-Konvention 2003 zum Schutz des immateriellen Weltkulturerbes ergänzt die bekannten Welterbe- und Weltnaturstätten. Zum Schutz dieses Erbes verlangt die UNESCO nationale Inventarlisten, aus denen herausragende Objekte für die Repräsentative Liste des UNESCO-Immateriellen Weltkulturerbes nominiert werden können. Trotz Nicht-Ratifizierung durch Deutschland wäre die Erstellung nationaler Inventarlisten möglich und ein entsprechendes bayerisches Pilotprojekt könnte angestoßen werden.

Expose von Volker Letzner, München im April 2010



Ergänzungen zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO (Volker Letzner, Stand August 2013)
Erfreulicherweise ist nun seit Mitte des Jahres 2013 auch die Bundesrepublik Teilnehmer an der UNESCO-Konvention 2003 zum immateriellen Kulturerbe. Ebenfalls erfreulich schnell haben sich die Verantwortlichen auf ein Implementierungsverfahren geeinigt, um die Konvention, insbesondere deren ersten Schritt, die sog. Inventarisierung, mit Leben zu füllen. Nebenstehender Download eines Beitrags aus dem Passport erläutert das Implementierungsverfahren und diskutiert einige kritische Aspekte des Verfahrens.