News
Erfolgsfaktoren einer Airline-Sanierung
[12|06|2012]
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Master Forum Tourismus“ stellte am 1. Juni 2012 der Geschäftsführer der Air Baltic Martin Gauss seine Arbeit auf dem Weg zur Sanierung der Airline vor.
Nach einführenden Worten zweier Studentinnen, die die Moderation an diesem Abend übernahmen und durch ihre Nebentätigkeit als Stewardessen bei der Lufthansa einen persönlichen Bezug zum Thema haben, gab der Professor für Verkehrsträgermanagement Dr. Torsten Busacker den Startschuss für das Master Forum.
Martin Gauss konnte bereits mehrere Airlines (z. B. Deutsche BA, Cirrus Airlines) erfolgreich sanieren und ist seit November 2011 als CEO für die Sanierung der Air Baltic verantwortlich. In seinem Vortrag stellte er zuerst die Airlinebranche in Europa im Allgemeinen vor. Er betonte, dass in der Flugbranche alle außer den Airlines Geld verdienen würden. Zwar würden die meisten Airlines wieder wachsen, erreichten aber keine positive Marge. Durch die Billigfluggesellschaften erhöhe sich der Druck auf die Preise enorm. Doch selbst, wenn eine Airline alles richtig mache, könne laut Gauss der Einfluss makroökonomischer Faktoren, wie der Kerosinpreis oder Wechselkursschwankungen, erhebliche Auswirkungen haben.
Anschließend stellte Herr Gauss sein Konzept für die Air Baltic vor. Die lettische Fluggesellschaft gehört der Regierung und beförderte 2011 über 3,3 Millionen Passagiere. Dennoch steckt sie in der Verlustzone. Da es aber in Lettland keine Autobahnen und nur ein schlechtes Zugnetz gibt, möchte die Regierung ihre nationale Fluggesellschaft erhalten und subventioniert sie in einem festgelegten Rahmen.
Um den Turnaround zu schaffen, entwickelte Gauss ein 3-Säulen-Modell bestehend aus Umsatz & Kosten, Netzwerkumstellung und Netzwerk- und Flottenoptimierung. Auf diesem Weg griff er zu scheinbar ungewöhnlichen Maßnahmen, wie der Entlassung des bisherigen Managementteams oder der kontinuierlichen Anhebung der Flugpreise, und ist sehr innovativ. Begeistern konnte er das Publikum mit der Idee des SeatBuddy-Systems, bei dem der Passagier sich mit seinen Interessen (z.B. das Sprechen einer bestimmten Sprache) registriert und dann einen Sitznachbar mit ähnlichen Interessen zugewiesen bekommt. Ein weiteres Erfolgsrezept ist seine wöchentliche Live-Kommunikation. Martin Gauss hält alle Mitarbeiter regelmäßig über den Stand der Sanierung auf dem Laufenden. Seiner Meinung nach könne man auf diesem Gebiet nie zu viel machen.
Nach dem Vortrag und anschließender Diskussion wurden bei einem Imbiss weitere Kontakte geknüpft, Fragen beantwortet und Erfahrungen ausgetauscht.
Am 16. Oktober folgt das nächste Masterforum, das unter dem Thema „Kulturtourismus – das materielle und immaterielle Weltkulturerbe der UNESCO“ stehen wird und mit Dr. Roland Bernecker, dem Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission und Frederik Mayet, dem Pressesprecher des Münchener Volkstheaters und der Oberammergauer Passionsspiele 2010, wieder spannende Referenten bereithält. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter www.masterforumtourismus.de.
Anne Grochowski